Bugging The System

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Zika: Mini-Hirne erhärten Mikrozephalie Verdacht

Mini Brain

Mini-Gehirne helfen bei der Zika-Forschung. Das Foto zeigt das Gehirn eines Schweinefötus (von Davis8811, via wikimedia; CC BY-SA 4.0)

Während Meldungen von Zika-Infektionen und Gehirnmissbildungen in Babys in Brasilien weiterhin Sorgen bereiten, versuchen Wissenschaftler fieberhaft die Verbindung zwischen den beiden Ereignissen nachzuweisen. Zwei neue Studien liefern nun die bisher überzeugendsten Indizien, dass das Zika-Virus das Wachstum von fetalem Gehirngewebe mindert und somit zu Mikrozephalie – ein Entwicklungsdefekt, gekennzeichnet durch abnormal kleine Köpfe und Gehirne betroffener Personen – führen kann.

In beiden Studien, veröffentlicht in den wissenschaftlichen Fachzeitschriften Science und Cell,  arbeiteten Wissenschaftler mit Mini-Hirnen. Diese wenige Millimeter großen Zellklumpen zeigen viele Aspekte der vorgeburtlichen, menschlichen Gehirnentwicklung. Im Labor gezüchtete Mini-Hirne eignen sich daher besonders gut als Testobjekte für Zikas Rolle in der Entstehung von Mikrozephalie in ungeborenen Babys. Und die Experimente zeigen: Zika infiziert besonders neuronale Vorläuferzellen und verhindert so die normale Gehirnentwicklung in den Mini-Organen. Das Virus kann dabei nicht nur in diesen Zellen überleben, es vermehrt sich auch und zerstört dabei Gehirnzellen – und richtet daher langzeitig Schäden an.

Die Studie in Science zeigt zudem, dass Infektion mit dem mit Zika eng verwandten Dengue-Virus keinen Einfluss auf das Wachstum der Mini-Hirne nimmt. Dies bestätigt die Vermutung, dass die Effekte auf die Gehirnentwicklung spezifisch vom Zika Virus ausgelöst werden. Eine weitere, frühere Studie zeigte außerdem, dass das Virus tatsächlich von der infizierten Mutter auf das ungeborene Baby übertragen werden kann.

Zusammen bestärken diese Experimente den Verdacht, dass Zika für den Anstieg der Mikrozephalie-Fälle in Brasilien verantwortlich sein könnte. Davon scheint auch die amerikanische Behörde CDC nun überzeugt zu sein: Dort verlautete man vor Kurzem, dass nun genügend Beweise vorhanden seien, um Zika zum Übeltäter zu erklären. Was die Studien jedoch noch nicht klar beweisen, ist dass Zika allein der Auslöser der Welle an Missbildungen ist. Während in Brasilien mehr als 1000 Babys seit Beginn der Zika-Epidemie mit abnormal kleinen Köpfen geboren wurden, bleiben Fälle im ebenfalls stark von Zika betroffenen Kolumbien noch aus – erst zwei mit Zika in Verbindung stehende Mikrozephalie-Fälle wurden landesweit Mitte April bestätigt. Es mag nur eine Frage der Zeit sein, bis die Zahl der Missbildungen auch hier zunimmt. Bleibt der erwartete Anstieg jedoch weiterhin aus, können „Komplizen“ von Zika – andere Faktoren, die zusammen mit dem Virus in Brasilien auftreten und dessen Wirkung beeinflussen – nicht ausgeschlossen werden.

Das finale Urteil ist also noch ausständig, doch die neuesten Studien reihen sich in eine Kette von Indizien, die die reproduktionstoxische Wirkung von Zika plausibel scheinen lässt. Mit der enormen Zunahme der internationalen Forschungsbestrebungen ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis alle Teile des Zika-Puzzles zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengefügt werden können.

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This entry was posted on April 30, 2016 by in Neues aus den Biowissenschaften and tagged , , , , .
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