Bugging The System

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Angriff der Tumorkillerviren

Viren könnten neue Waffen im Kampf gegen Krebs werden. Foto von Cynthia Goldsmith/CDC via Wikimedia Commons.

Viren könnten neue Waffen im Kampf gegen Krebs werden.
Foto von Cynthia Goldsmith/CDC via Wikimedia Commons.

Wissenschaftler versuchen seit Jahrzehnten im Labor veränderte Viren zur Krebsbekämpfung zu entwickeln. Nun ist mit T-VEC ein Durchbruch im Bereich der so genannten “Virotherapie” gelungen: der modifizierte Herpesvirus wurde diese Woche nach erfolgreichen Phase III klinischen Studien in den USA zur Therapie von fortgeschrittenem Melanom – auch bekannt als „Schwarzer Hautkrebs“ – zugelassen und könnte auch bald in Europa erhältlich sein.

Melanom ist eine besonders aggressive Art von Hautkrebs, und im fortgeschrittenen Stadium sind die Überlebenschance gering. Frühzeitige Erkennung ist daher bei Melanomen besonders wichtig: Muttermale sollten genau beobachtet werden und bei Veränderungen sollte ein Hautarzt konsultiert werden.

Nach der Diagnose von fortgeschrittener Krankheit bleiben vielen Patienten nur einige Jahre oder sogar nur Monate, und wenige wirksame Behandlungen sind erhältlich. T-VEC hat in klinischen Studien Potenzial als Melanom-Medikament gezeigt: Mit T-VEC behandelte Patienten überlebten im Schnitt 4.4 Monate länger – 23.3 Monate im Vergleich zu 18.9 Monaten – als Patienten in der Kontrollgruppe. Fortgeschrittene Melanome, die sich bereits auf benachbarte Lymphknoten ausgebreitet hatten, konnten mit T-VEC besonders effizient bekämpft werden. Die Behandlung wird außerdem sehr gut vertragen; Nebenwirkungen ähneln meistens nur leichten Erkältungsbeschwerden.

T-VEC wurde erstmals 2003 als mehrfach genetisch modifizierter Herpes Simplex Virus 1 entwickelt. Mehrere Veränderungen im Erbgut dieses normalerweise Fieberblasen-bildenden Erregers ermöglichen die gezielte Infektion und Zerstörung von Tumorzellen, wahrend gesunde Zellen immun gegen die Virusattacke bleiben. Die Virotherapie verwandelt Krebszellen in Mini-Virenfabriken. Die infizierten Zellen platzen in Folge aus allen Nähten und lassen neu hergestellte Viren frei, welche dann benachbarte Krebszellen angreifen können.

Gleichzeitig wird das Immunsystem aktiviert, welches sich ebenfalls gegen den Tumor wendet – eine Doppelwirkung der Virotherapie. T-VEC ist hierbei besonders effektiv, da der modifizierte Virus ein menschliches Entzündungssignal in infizierte Zellen liefert. Dies führt schlussendlich dazu, dass der Körper den Tumor als schädlich erkennt und bekämpft – und auch weiter entfernte Tumormetastasen angreift und zerstört.

Unser Immunsystem ist oft “blind” gegen Krebsgeschwüre, und die Entwicklung von Medikamenten, die – so wie T-VEC – das Immunsystem Krebs “sehen” lassen ist ein Schwerpunkt der modernen Krebsforschung. Virotherapie könnte ein weiterer Durchbruch in diesem Bereich sein, und eine Vielzahl von genetisch modifizierten Viren wird derzeit in verschiedensten Krebserkrankungen getestet. Neue Studien untersuchen auch das Potenzial von T-VEC in anderen Krebsarten, mitunter in Bauchspeicheldrüsenkrebs und Brustkrebs. T-VEC ist ein Hoffnungsträger der Virotherapie und zeigt: Viren könnten wirksame Waffen gegen besonders schwer behandelbare Krebserkrankungen werden.

T-VEC wird von dem Pharmaunternehmen Amgen hergestellt und wird in den USA unter dem Markennamen Imlygic erhältlich sein.

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One comment on “Angriff der Tumorkillerviren

  1. Sarah White
    November 12, 2015

    That is not the first time breakthrough in virotherapy! On November 17, 2005, the Chinese State Food and Drug Administration approved H101, an oncolytic adenovirus similar to Onyx-015 (E1B-55K/E3B-deleted), for use in combination with chemotherapy for the treatment of late-stage refractory nasopharyngeal cancer. Outside of China, the push to the clinic for ONYX-015 has been largely been discontinued for financial reasons and until a real mechanism can be found.
    From Wikipedia, you can also find the published research on Pubmed

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This entry was posted on November 1, 2015 by in Neues aus den Biowissenschaften and tagged , , , , .
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